Hausbesuch bei Oboistin Miriam Green – „Voll schön, wie du auf deiner Klarinette spielst!“

Name: Miriam Green
Alter: 28
Beruf: Oboistin
Wohnort: München
Wovon lebt sie? klassische Konzerte, Aushilfe im Orchester, Unterrichten, veganes Kochen
Aktuelle Projekte: Yoga-Musik, die eigene CD


Liebe Leser! 

Das hier ist eine Klarinette:

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Und hier seht ihr Miriam. Sie spielt OBOE!

Okay, die Katze und die Ente (#Prokofjew) kann man auf den ersten Blick schon mal verwechseln. Zumindest tun das zahlreiche Konzertbesucher und loben Miriam regelmäßig für ihr schönes Klarinettenspiel.
Sogar der Tatsache, dass Miriam heute Oboistin ist, liegt eine Verwechselung zugrunde. Kurzentschlossen Klarinette zu lernen, stapfte sie im Kindesalter ins Büro der elterlichen Musikschule und zog versehentlich die Ente aus dem Regal.
Wenn man hört, wie schön, virtuos und gefühlvoll die 28-jährige heute darauf spielt, dürfte das der glücklichste Fehlgriff ihres Lebens gewesen sein.

Dabei wollte die Wahlmünchnerin vor ihrem 15. Lebensjahr nie Musikerin werden. Die Musikschule der Eltern befand sich im eigenen Haus und so drang jede gezupfte, gegeigte und lieblos dahingeklimperte Etüde durch die dünnen Wände bis hoch in Miriams Kinderzimmer. Da kann man schon mal ein kleines Trauma entwickeln.

Sie träumte von einem Leben als Anwältin.
Nicht wegen der fetten Kohle, sondern weil sie schon in sehr jungen Jahren einen stark ausgeprägten Sinn für Gerechtigkeit hatte. Inspiriert von ihrem Großonkel, der als Missionar und Entwicklungshelfer tätig war, wollte sie die Welt ein bisschen besser machen.

Erst im Teenageralter kam plötzlich der Berufswunsch Orchestermusikerin auf.
Um eine der raren, freien Stellen zu ergattern, reicht eine außerordentliche musikalische Begabung allein nicht aus. Will man sich gegen die über hundert anderen Bewerber durchsetzen, muss man vor allem eines und das ständig: ÜBEN, ÜBEN, ÜBEN!

Das hat Miriam getan. Sie übte sich durch ihre Schulzeit am Musikgymnasium, aufs Siegertreppchen des Bundeswettbewerbs Jugend Musiziert und durch ihre Studienjahre an der Münchner Musikhochschule, wo sie weitere Preise gewann und vergangenes Jahr ihren Abschluss machte. Alle Stationen einer klassischen Holzbläserin hat sie mit Bravour gemeistert. Und dann, kurz bevor die Probespiele für die festen Orchesterstellen an der Reihe waren, merkte sie plötzlich, dass sie gar nicht mehr sicher ist, ob sie das von Herzen will.“

Und was nun? Glücklicherweise ist Miriam Green mehr als die klassische Oboistin. Sie schreibt ihre eigenen Lieder, spielt Klavier, beglückt Yoga-Gruppen mit Klängen auf dem Harmonium und kocht auch mal bei Meditationsseminaren für Buddhisten. Vegan natürlich. Oboe spielt sie aktuell als Aushilfe in diversen Orchestern oder solistisch auf ihrer zweiten CD.
Wenn sie gerade kein Konzert hat, verbringt sie die Tage in ihrer geräumigen 4er WG mitten in der Münchner Innenstadt.
Neben Yoga, Meditation und Songwriting nimmt das Üben nach wie vor die meiste Zeit des Tages in Anspruch. Dicht gefolgt vom Rohrbau. HÄ? Ja, genau. Das Bauen von sogenannten Rohren stellt im Leben einer Oboistin einen ganz normalen Tagesordnungspunkt dar. Ohne Schnitzen kein Mundstück, zumindest kein gutes.

In das fertige Rohr sollte auf keinen Fall etwas hineingeraten, sonst kommt kein Ton mehr heraus. Das ist Miriam erst neulich beim Deutschen Musikwettbewerb vor den Ohren der Jury, mitten in einer Bach-Sonate passiert und es war nicht gerade der schönste Moment ihrer musikalischen Laufbahn.
Mit solchen Tücken sorgt die Oboe für mehr Ärger als jedes andere Instrument. Aber immerhin ist sie das einzige, das im Bauch des Wolfs noch weiterspielen kann.

Auch wenn Miriam, die immer irgendwie auf der Suche ist, nicht so richtig weiß, wo es in Zukunft hingeht, ist sie mit ihrem Musikerleben zufrieden. Der Beruf bietet ihr nicht nur die Möglichkeit kreativ zu sein, sondern auch das Leben von einer anderen Seite zu sehen und obendrein viel Zeit, um über Sinn und Unsinn nachzudenken. 
Worauf sie gern verzichten würde, sind die sorgenvollen Fragen von außen. Wenn der BWLer von nebenan wissen möchte, ob man denn auch davon leben kann und wenn die Oma zum hundertsten Mal nachhakt, ob die Enkelin in die Rentenkasse einzahlt – das findet Miriam anstrengend. 
Als Anwältin wäre ihr das nicht passiert. Trotzdem hat sie es nie bereut, keine Juristin geworden zu sein. Die Welt macht sie jetzt trotzdem ein bisschen besser – mit ihrer Musik!

Und welches Musiker-Klischee geht Miriam so richtig auf die Nerven?
Alle Musiker leben am Existenzminimum.
WIDERLEGT!
Miriam kommt schon seit Jahren gut über die Runden.


Vorschau: Chia-Pudding und Open Mic? // Was kann die neue offene Bühne im Münchner „Lost Weekend“… – nächsten Montag um 14:30 Uhr!

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