Hausbesuch bei Filmkomponist David Reichelt // Damals zu klein fürs Schlagzeug, heute groß im Geschäft

Name: David Reichelt
Alter: 30
Beruf: Filmkomponist und Musikproduzent
Wohnort: München
Wovon lebt er? Musikprduktion, Filmmusik, GEMA-Einnahmen
Aktuell Projekte: Kinofilm „König Laurin“, die neue BR-Serie „Hindafing“

David ist ein charmanter Angeber. Noch bevor er mir aus der Jacke geholfen hat, erhalte ich einen großzügigen Überblick über all seine aktuellen Projekte und frisch gewonnenen Preise. Warum er das macht? Weil er´s kann! Momentan vertont der Münchner Komponist und Produzent einen Film nach dem anderen, gewinnt Auszeichnungen für die beste Musik und in wenigen Tagen startet die BR Fernsehserie „Hindafing“, der Score – natürlich von ihm. 

Beim Vordringen in seine privaten Heiligtümer werde ich stutzig. Vom Klischee aus betrachtet befinde ich mich hier eindeutig auf Musikeruntypischem Terrain. Auch nach intensiver Fahndung entdecke ich keine einzige Wollmaus. Wären da nicht das Wohnungsinterne Tonstudio und die verschiedenen Instrumente, würde ich diese schicke Styler-Behausung eher einem Anwalt oder einem Manager zuordnen. In jedem Fall einem Besserverdiener, der gern putzt (äh, putzen lässt).

So ordentlich und strukturiert wie Davids Lebensraum gestaltet sich auch sein Arbeitsalltag. Steckt er mitten in einem Projekt, was er seit zwei Jahren quasi ständig tut, verbringt er weit über zehn Stunden täglich im Studio. Die Komposition unterbricht er nur für ein paar Klimmzüge, ein Ründchen Joggen oder für einen frisch aufgebrühten Yogi Tee.
Oft wird der Rechner im Hause Reichelt erst gegen 01:00 Uhr abgeschaltet und wenn die Deadline naht, gegen 05:00 Uhr wieder hochgefahren. Ja, um fünf Uhr morgens! 

Anders wäre es sicher nicht möglich, eine komplette Oper in nur einem Monat zu schreiben. Im Mai 2015 hat David Reichelt genau das geschafft. Der enorme Schlafmangel dieser Tage ist längst vergessen, an die Uraufführung in seiner Münchner Heimatstadt erinnert er sich hingegen voller Stolz zurück.

So reibungslos wie heute lief die Karriere nicht immer. Gern hätte er im Kindesalter Schlagzeug gelernt, wurde aber vom Musikschullehrer als zu klein befunden. Alternativ wollte man ihm die Blockflöte andrehen, doch das wussten seine Eltern, in weiser Voraussicht, zu verhindern. Die Wahl fiel aufs Saxofon.

Obwohl der heute Dreißigjährige schon in jungen Jahren mehr komponierte und produzierte als ein durchschnittlich faules Exemplar seiner Artgenossen, machten es ihm die Musikhochschulen schwer.
Erst nach der 19. Aufnahmeprüfung ergatterte er sich den Studienplatz für Filmmusik in München. 
Dass er die achtzehn Mal zuvor von verschiedenen Fakultäten abgelehnt wurde, sah und sieht er gelassen. Den meisten berühmten Künstlern wurde es an staatlichen Instituten schwer gemacht – Das spornte den selbstbewussten Musiker nur noch mehr an.

Ein weiterer Grund warum er nicht aufgab? Er hatte keinen Plan B! Ganz schön mutig. David wollte immer Musiker werden, sonst nichts.

Das hat er geschafft.
Neben seinem Dasein als erfolgreicher Filmmusiker und Produzent, ist aus ihm auch noch en verdammt guter Saxofonist geworden. Gerade spielte er mit der eigenen Band DAVESLAB bei der langen Nacht der Musik.

Man kann es nicht anders sagen – bei ihm läuft´s. Jetzt muss eigentlich nur noch Hollywood anrufen…

Aber wie sieht es in Davids Privatleben aus?
Die Urlaubsfotos an den Wänden sind mehrere Jahre alt. Er war schon ewig nicht mehr so richtig in den Ferien.
Zum Glück bleiben ihm seine Freunde trotz 7-Tage-Woche treu und freuen sich, wenn er nach intensiver Studioarbeit aus der Versenkung auftaucht.
Außerdem genießt er das große Interesse seiner Mitmenschen, wenn er von seinem Beruf erzählt. Filmmusik – Das findet jeder spannend. Auch die Ladies, versteht sich. Leider kommt er kaum dazu, die Damen mit seinem Schaffen zu beeindrucken. Aber irgendwas ist ja immer…

Und welches Klischee geht David so richtig auf die Nerven?
Musiker sind nur am Party machen. Sex, Drugs & Rock´n´Roll…
WIDERLEGT
Er kennt in keinem anderem Bereich Leute, die so viel arbeiten.

—————————————————————————————————————————————-

Vorschau: „Es gibt keine lustigen Frauen.“ // Warum die deutsche Comedy-Szene so wenig Brüste hat…  – nächsten Montag um 14:30 Uhr!

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s