„Hallo Herr Vermieter! Ich spiele Bassposaune.“ // Was Musiker bei der Wohnungssuche beachten sollten

Unzählige Male stand ich im vergangenen Jahr auf teurem Fischgrätenparkett einem schnöseligen Münchner Immobilienschlumpf gegenüber und bekam immer wieder die selbe unangenehme Frage gestellt: „Spielen Sie ein Instrument, Frau Henkel?“
Aus meinem anfänglichen „Ehm, ja, irgendwie schon, aber…“ ist im Laufe der Monate ein klares „NEIN!“ geworden. Auch die Tatsache, dass ich freischaffend tätig bin, lernte ich geschickt zu umspielen.
Dass auf dem Wohnungsmarkt beliebter deutscher Großstädte ein eisiger Wind weht, ist kein Geheimnis. Doch für uns Musiker ist die Suche doppelt schwer.
Wie du es trotzdem ins neue Zuhause schaffst, erfährst du hier:

Suchen und finden, aber wie?

  • Als Musiker lernst du viele neue Leute kennen. Nutze es und lass sie von deiner Wohnungssuche wissen.
  • Die meisten suchen über den Klassiker Immobilienscout24. Lege dir dort und auf ähnlichen Plattformen ein kostenloses Profil mit Foto und kurzer Beschreibung an. Ein netter erster Eindruck erhöht die Chance, zur Besichtigung eingeladen zu werden enorm.
  • Inseriere in der Zeitung. Es gibt eine Menge Eigentümer älteren Semesters, die noch nie etwas von diesem Internet gehört haben und ihre Mieter auf analogem Weg suchen.
  • Solltest du deine aktuelle Wohnung zum Tausch anbieten können, versuche es auf tauschwohnung.de
  • Speziell für die Stadt München empfehle ich die alternative Plattform Budenschleuder, eine tolle Idee von Andreas Kräftner.

Dresscode
Viele meiner Kollegen mögen es kleidungstechnisch etwas legerer – die meisten Immobilienmakler eher nicht. Natürlich musst du nicht im Anzug oder Kostümchen aufkreuzen, aber der Oversize-Hoodie und die ältesten Vans müssen es zu diesem Anlass auch nicht sein. Gepflegtes Erscheinungsbild = gepflegte Wohnung. Auch wenn diese Schlussfolgerung Quatsch ist – Vermieter glauben dran.

Falsche Accessoires
Du kommst gerade von der Probe und hast deinen Instrumentenkoffer dabei? Genauso gut könntest du deine drei Bernhardiner mit zur Besichtigung bringen. Gitarren und Haustiere müssen leider draußen bleiben.

Check die Nachbarn aus
Das Horrorszenario: Du ziehst in die neue Bude ein und noch bevor du den Cellobogen in der Hand hältst, klopft die garstige Omma von unten mit dem Besenstil an die Zimmerdecke.
Oft hast du bei Besichtigungen die Gelegenheit mit den Vormietern zu sprechen. Erkundige dich, wie deine potentiellen neuen Nachbarn drauf sind. Sollte etwas in Richtung „hellhörige ältere Dame fallen“, lauf!

Bürgschaft
Du hast die 30 schon geknackt und keinen Bock mehr, dass Mami und Papi in deinen Mietvertrag mit einsteigen? Verständlich. Bei Selbstständigen empfiehlt es sich dennoch, zumindest als Option, einen Bürgen vorzuschlagen.

Sei flexibel in deinen Angaben 
Spielen Sie ein Instrument? Nein!
Haben Sie Haustiere? Natürlich nicht!
Und wie hoch ist Ihre aktuelle Miete? Seeeehr hoch!
Bei Fragen dieser Art ist Schummeln erlaubt. Warum? Weil es niemanden etwas angeht. Schufa, Gehaltsnachweis und Ausweiskopie sind das Höchste der Gefühle.
Auch wichtig: Verschicke niemals eine Selbstauskunft, ohne die Wohnung überhaupt gesehen zu haben.

Notlügen
Natürlich lässt sich dein Beruf nicht immer verheimlichen. Sollte das Thema Üben zur Sprache kommen, versicherst du, ausschließlich im externen Proberaum oder Tonstudio zu musizieren. Fideln und Tröten in den eigenen vier Wänden ist für dich ein absolutes No-Go. So etwas würdest du nie tun.

Ah, ein Klavier!
Solltest du in der zukünftigen Behausung ein Instrument entdecken, hast du grünes Licht. Es gibt den ein oder anderen Vermieter, der sich einen Ast abfreut, einen Musiker in der Hausgemeinschaft zu haben. Lass in diesem Fall möglichst oft die Wörter „Philharmoniker“, „Chopin“ und „Simon Rattle“ fallen – das wird den kulturliebenden Eigentümer gefügig machen.

Die äußeren Werte
Du wärst lieber reich als sexy, aber was soll man machen. Wenn du finanziell gegen die beiden Zahnarzttöchter abstinkst, die sich ebenfalls auf die Wohnung bewerben, überzeuge den Vermieter mit einem hübschen Bild auf deiner Bewerbungsmappe. Bringt mehr als man denkt.

Arbeitgeber
Bei Arbeitgeber ein „freischaffend“ einzutragen ist mutig. Hast du einen Verlagsvertrag bei Sony? Dann ist „Sony Music“ jetzt dein Arbeitgeber. Sieht gut aus und ist nicht direkt geschwindelt.

Dranbleiben
Ein Jahr ist vergangen, du hast immer noch nichts Passendes gefunden und kommst ins Grübeln: Vielleicht solltest du doch in den Vorort mit guter S-Bahnanbindung ziehen? Oder einfach zurück zu Mutti? Tu es nicht! Dranbleiben zahlt sich aus. Nach Ewigkeiten habe auch ich meine Traumwohnung im schönsten Eck der Münchner Innenstadt gefunden. BÄM!

P.S. Sei nett
Wenn du es in die neuen vier Wände geschafft hast, dann flöte der Hausgemeinschaft bitte nicht bis Mitternacht etwas vor. Sei nett, nimm Rücksicht und halte die Ruhezeiten ein. Bestimmt freut sich der ein oder andere Nachbar auch über eine Einladung zum Wohnzimmerkonzert…

Danke für´s Lesen. Ich leg´ mich jetzt wieder hin.

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