Es gibt doch nur zwölf Töne! // Warum es nichts Besonderes ist, ein Instrument zu beherrschen, ohne Noten lesen zu können.

„Wow! Ein Hammer Bassist! Dabei kann er gar keine Noten lesen…“ Instrumentalisten, die keinen blassen Schimmer haben, ob ihr Gespieltes im Violin-, Tenor-, oder Bassschlüssel notiert wird, ernten häufig große Bewunderung für ihre Defizite im Bereich der elementaren Musiktheorie. Zu Unrecht, finde ich!

Maddox hockt dezent mit dem Kopf nickend am Bass und wurstelt sich ziemlich groovy durch einen Haufen übersichtliche Popmusikharmonik. Vorne auf der Bühne singt irgendein Tim Oerding irgendetwas von “frei sein“ in Kombination mit “leichtem Gepäck“ und “raus aus der Stadt“. Maddox heißt eigentlich Manuel Grüschke und stammt aus einem deprimierenden Kaff in Ostwestfalen. Mit dreizehn nahm er ein, zwei Unterrichtsstunden an der Musikschule Bünde, merkte aber schnell, dass es viel mehr Spaß macht zu schwänzen und sich in den freien fünfundvierzig Minuten die matschige Teenager-Birne zuzukiffen. Bass spielen brachte er sich selbst bei.

Mit Erfolg! Nach dem Abi haben es sein Viersaiter und er bis nach Hamburg geschafft, sich zur richtigen Zeit bei den richtigen Leuten angeboten und Zack! – tourt Manuel-Maddox als gefragter Bassist mit erfolgreichen Acts durch die Bundesrepublik. Jetzt ist er der coole Typ, der tierisch gut spielt und dafür nicht mal ein Notenblatt braucht. Und darauf ist er so richtig stolz.

Was er, die Kollegen, seine Bewunderer und der ein oder andere Feuilletonist nicht bedenken: Gutes Spielen und Noten lesen haben nichts miteinander zu tun. Um gut zu sprechen, muss man ja auch nicht zwangsläufig schreiben können. Und nur, weil man der Kunst des Notenlesens mächtig ist, spielt man nicht zwangsläufig alles vom Blatt! Auch mich kann man mit verstaubter Musiktheorie und strenger Notensatzlehre in die Flucht schlagen. Aber Hallo?!? – es gibt doch nur zwölf Töne! Man muss sich schon absichtlich dumm stellen, um diese in einem übersichtlichen, fünfzeiligen System nicht zuordnen zu können;)

Und was lehrt uns diese Geschichte? Wenn euch das nächste Mal ein Manuel Maddox Grüschke stolz berichtet, dass er keine einzige Note kann, dann überrascht ihn doch einfach mal mit einem fluffigen: „Wow, herzlichen Glückwunsch! Du bist zu doof, zwölf Töne zu lernen!“

Danke für´s Lesen, ich leg´ mich jetzt wieder hin.

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