Der Pimmelpreis der Musikautoren

Bisher stand ich dem Thema „zu wenig Frauen in der deutschen Musikbranche“ relativ entspannt gegenüber. Ich persönlich hatte nicht den Eindruck, aufgrund meines nicht vorhandenen Gemächts, einen Nachteil zu haben. Von vielen meiner männlichen Kollegen fühlte und fühle ich mich wertgeschätzt und unterstützt. Doch das scheint ein Einzelfall zu sein. Wie es wirklich aussieht, wurde jüngst von der GEMA veranschaulicht. Die Nominierten für den Musikautorenpreis 2018 stehen fest:

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Kaum zu glauben – unter 21 Nominierten befindet sich nur eine Frau! Zur Erinnerung: Wir leben im Jahr 2018. Frauen ist es seit geraumer Zeit gestattet, zu komponieren und zu schreiben. Viele Weibchen tun es und eine Menge davon auch noch verdammt gut. Wie kommt es also, dass dieser Fakt von der GEMA, dieden Preis vergibt, einfach ignoriert wird?
Schauen wir uns doch mal die Juroren an: Simon Müller-Lerch, Helmut Oehring, Ralf Wengenmayr, René Berthiaume… Weiblicher wird’s nicht. Die Jury besteht ausschließlich aus Männern und das ist noch längst nicht das Ende der musikschöpferischen Pimmelpolonaise. Im Gema-Aufsichtsrat und dem GEMA-Vorstand sieht es kaum besser aus:

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Jurysprecher Simon Müller-Lerch hat auf der Facebookseite der GEMA bereits Stellung bezogen: „Für mich hat Musik nichts mit Mann oder Frau zu tun, sie ist gut oder eben nicht, zieht dich mit oder lässt dich links liegen. Es wäre Musik gegenüber nicht fair und aufrichtig, danach zu urteilen, ob ein Mann oder eine Frau sie geschrieben hat. Das Thema Gleichberechtigung muss ganz oben stehen, sollte allerdings gerade in diesem Fall von den richtigen Seiten beleuchtet werden“, heißt es in seinem Post.
Da die Jury aber quasi nur Männer nominiert hat, bedeutet dieses Statement im Subtext für mich nichts weiter, als dass Frauen nicht so gute Musik machen wie die männliche Konkurrenz. Danke dafür.

Und was jetzt? Der Shitstorm ist bereits im vollen Gange und das ist auch gut so. Es wird Zeit, dass der Altherrenverein der GEMA wachgerüttelt wird. Jetzt ist die beste Zeit für Veränderung!

Danke für´s Lesen. Ich gehe jetzt wieder an den Herd.

Hausbesuch bei Marie Diot // „Bevor ich in einer Cover-Band spiele, möchte ich lieber sterben!“

Name: Julia Marie Geusch
Künstlername: Marie Diot
Alter: 24
Beruf: Liedermacherin
Wohnort: Hannover
Wovon lebt sie? von Konzerteinnahmen und den Eltern
Aktuelle Projekte: Das Debut-Allbum „Pinguin im Tutu – Weiß nicht, ob er Tänzer ist“

Das ist Marie. Sie ist jung, entspannt und ziemlich cool. Und dafür muss sie sich nicht mal anstrengen. Der gleichermaßen lässige Typ daneben ist Maries Freund Fabi. Die beiden machen gemeinsam Musik, genießen während des Keyboardspielens gern mal einen Apfel und wohnen jetzt zusammen in Hannover. Dort haben sie sich auch kennengelernt – bei ihrem Popmusikstudium an der Musikhochschule.  Weiterlesen

Schwarze Zahlen auf deinem Musikerkonto // 5 Tipps für höhere Einnahmen

Die Frage, ob man von der Musik leben kann, hat einen ziemlich langen, abgetakelten Rauschebart und lässt sich mit einem simplen „Ja“ beantworten. Natürlich kann man mit Musik Geld verdienen und das unter Umständen gar nicht so schlecht. Fest angestellte Orchestermusiker beispielsweise werden in der Regel gut bezahlt. Doch auch als Freiberufler kann man gut verdienen.  Weiterlesen

Es gibt doch nur zwölf Töne! // Warum es nichts Besonderes ist, ein Instrument zu beherrschen, ohne Noten lesen zu können.

„Wow! Ein Hammer Bassist! Dabei kann er gar keine Noten lesen…“ Instrumentalisten, die keinen blassen Schimmer haben, ob ihr Gespieltes im Violin-, Tenor-, oder Bassschlüssel notiert wird, ernten häufig große Bewunderung für ihre Defizite im Bereich der elementaren Musiktheorie. Zu Unrecht, finde ich! Weiterlesen

„Du siehst kacke aus – dann hast du bestimmt was auf dem Kasten!“ // Was unser Erscheinungsbild über unser Können aussagt

„Oh! Aha! Das hätte ich dir gar nicht zugetraut. Du siehst gar nicht so aus!“ Unzählige Male sind mir in meinem Berufsleben solche Sätze begegnet. Die mit meinem Erscheinungsbild verbundenen Klischees scheine ich nicht zu bedienen und das scheint mein Gegenüber zu verwirren.  Weiterlesen

Hausbesuch bei Pianistin Antoniya Yordanova // Integration ist, wenn man auf Deutsch streiten kann

Name: Antoniya Yordanova
Alter: 31
Beruf: Pianistin
Wohnort: Essen
Wovon lebt sie? Auftritte, Unterrichten, Arbeit mit behinderten Kindern
Aktuelle Projekte: die Klavierduo-CD „Synergy“

Irgendwo im Ruhrpott empfängt mich Pianistin Antoniya sehr gastfreundlich in ihrer gemütlichen mintfarbenen Küche. Mit warmer Stimme und viel Humor erzählt sie aus ihren letzten Musikerjahren. Dabei könnte einem das Lachen an der ein oder anderen Stelle sprichwörtlich vergehen. Es hätte für sie viele Gründe gegeben, ihr Vertrauen, ihren Mut und ihre Warmherzigkeit zu verlieren. Aber das hat sie nicht! Weiterlesen

„Hallo Herr Vermieter! Ich spiele Bassposaune.“ // Was Musiker bei der Wohnungssuche beachten sollten

Unzählige Male stand ich im vergangenen Jahr auf teurem Fischgrätenparkett einem schnöseligen Münchner Immobilienschlumpf gegenüber und bekam immer wieder die selbe unangenehme Frage gestellt: „Spielen Sie ein Instrument, Frau Henkel?“
Aus meinem anfänglichen „Ehm, ja, irgendwie schon, aber…“ ist im Laufe der Monate ein klares „NEIN!“ geworden. Auch die Tatsache, dass ich freischaffend tätig bin, lernte ich geschickt zu umspielen. Weiterlesen