Hilfe! Mein Leben ist schön. // Wenn zu viel Harmonie die Kreativität killt

Irgendein Montagmorgen am Rand des Englischen Gartens: Die Sonne scheint durch das große Schlafzimmerfenster. Draußen duftet es nach Frühling, drinnen nach frischem Kaffee und ich bin umgeben von drei hübschen Typen, die total auf mich stehen. Mein Konto chillt seit Jahren in den grünen Zahlen und ich chille bis 10:00 Uhr im Bett. Zu allem Überfluss habe ich auch noch Freunde, Aufträge und gute Laune. Ich könnt kotzen!

Denn es gibt da eine entscheidende Sache, die massiv unter meinem neuen #blessedlife#happywife#thankful-Lifestyle leidet: Die Kreativität. Hier ist alles so aufgeräumt, vorhersehbar und harmonisch, dass es mir vor lauter Schreck die guten Ideen verschlägt. Aber nicht nur das – ich bin furchtbar bequem geworden. Woher soll der Antrieb auch kommen, wenn alles irgendwie läuft?

Wehmütig erinnere ich mich an meine Montagmorgen vor fünf, sechs Jahren zurück. Es roch nach Mentholzigaretten, Chaos und die Typen, die total auf mich standen, wollte ich meist vor dem ersten Kaffee wieder loswerden. Für die extra Portion Nervenkitzel reichte das bloße Einloggen beim Online Service der Deutschen Bank und die Klamottenberge und Notenstapel in meinem Zimmer waren so präsent, dass ich bis heute nicht weiß, ob es sich bei meinem damaligen Bodenbelag um Parkett oder Laminat handelte. Egal! Denn wenn ich die schmale Schneise vom Bett zum Schreibtisch erstmal passiert hatte, dann wurde geschrieben und komponiert. Damals bot ein einziger Tag mehr Inspiration und Material als heute ein halbes Jahr. Die Ideen kamen von selbst und die Motivation war groß. Schließlich wollte ich irgendwann mal ein einigermaßen geregeltes Leben außerhalb des Dispositionskredits führen.

Und Zack! Da isses. Mehr Harmonie, dafür weniger Kreativität.
Aber schließt das eine das andere wirklich aus? Gehen ein behütetes Dasein in heimeliger Atmosphäre und das Künstlerleben zwangsläufig nicht zusammen? Ich kann es noch nicht sicher sagen, erinnere mich aber immer öfter an die Worte meines ehemaligen Kompositions-Professors zurück: „Wer jeden Morgen brav mit der Thermoskanne zur Arbeit geht, wird nie große Stücke schreiben.“

Danke für´s Lesen. Ich leg´  mich jetzt wieder hin.

„Du siehst kacke aus – dann hast du bestimmt was auf dem Kasten!“ // Was unser Erscheinungsbild über unser Können aussagt

„Oh! Aha! Das hätte ich dir gar nicht zugetraut. Du siehst gar nicht so aus!“ Unzählige Male sind mir in meinem Berufsleben solche Sätze begegnet. Die mit meinem Erscheinungsbild verbundenen Klischees scheine ich nicht zu bedienen und das scheint mein Gegenüber zu verwirren.  Weiterlesen

„Hallo Herr Vermieter! Ich spiele Bassposaune.“ // Was Musiker bei der Wohnungssuche beachten sollten

Unzählige Male stand ich im vergangenen Jahr auf teurem Fischgrätenparkett einem schnöseligen Münchner Immobilienschlumpf gegenüber und bekam immer wieder die selbe unangenehme Frage gestellt: „Spielen Sie ein Instrument, Frau Henkel?“
Aus meinem anfänglichen „Ehm, ja, irgendwie schon, aber…“ ist im Laufe der Monate ein klares „NEIN!“ geworden. Auch die Tatsache, dass ich freischaffend tätig bin, lernte ich geschickt zu umspielen. Weiterlesen

„Arbeite ich heute im Bett oder gehe ich rüber zum Schreibtisch?“ // Künstlerleben besser planen – Ein Selbstversuch

Es ist Montagmorgen – na gut, eher Montagmittag. Auf meinem Nachtschrank steht ein sehr starker grüner Tee, auf meinem Schoß der Laptop. Mit angewinkelten Beinen sitze ich auf dem Bett und beantworte E-Mails. In irgendeinem Safari-Tab läuft Monaco Franze und ich snacke das dritte Röllchen Giotto. Willkommen in meinem Büro! Weiterlesen

„Woran arbeitest du grad´?“, „An meiner Bräune!“ – Warum der Workaholic-Wahnsinn albern ist

„Ich hab´ soooo viele Projekte“, prahlt Bodo und nippt nervös an seiner Rhabarberschorle. Alkohol kann er heute Abend nicht trinken, schließlich muss er nach unserem Treffen noch einen Song abmischen. Seit fünf Jahren war er nicht mehr im Urlaub. Stattdessen nahm er jeden Produktionsauftrag an, belieferte Plattenfirmen mit schlimmen Schlagern, ließ keine Networking-Gelegenheit aus und ging anstelle von Groupies primär mit ProTools ins Bett. Weiterlesen

Dranbleiben oder Aufgeben? // Das Drama mit der eigenen Musik

Mit siebzehn schreibt man die ersten Songs, tritt, begleitet von einem Gitarre spielenden Wuschelkopf beim Schulfest auf und wird mit frenetischem Applaus gefeiert. Mutti ist stolz, Vaddi lässt einen Fuffi extra für die Gesangsstunde springen und auf dem Beliebtheitsbarometer der Mitschüler macht man einen ordentlichen Satz nach oben.
Kurz nach dem Abi geht´s ab nach Berlin – die Pflichtheimat für junge, aufstrebende Musiker. Noch drei Jahre bis zum Echo…

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Hausbesuch bei Bianca Preché – Aus dem Tal der Ahnungslosen in den Berliner Hinterhof

Name: Bianca Preché
Alter: 32
Beruf: Sängerin, Songwriterin, Multitalent
Wohnort: Berlin
Wovon lebt sie? Auftritte, GEMA-Einnahmen, Unterrichten
Aktuelles Projekt: Die eigene Band Tom&Sara Weiterlesen